„Datenschutz sollte Teil der Unternehmenskultur sein – wie Gleichberechtigung und Nachhaltigkeit“​

28. Januar 2021Investition, Über uns - v10k GmbH

Passend zum heutigen Tag des Datenschutzes gibt’s ein Interview mit einer Person, die sich damit auskennt: Vertragswerk Business Angel Dr. Jana Moser.

Foto im Profil von Dr. Jana Moser

Dr. Jana Moser

Jemand hat mal zu mir gesagt: „Du häutest dich alle zwei Jahre“.

„Vielfältig“ beschreibt die Juristin, Datenschutzexpertin, Business Development und Key Account Managerin am besten – die zusätzlich mit ihrer eigenen Gesellschaft als Business Angel tätig ist und Start-ups unterstützt.

Wer bist du und was machst du, wenn du nicht gerade unser Business Angel bist?

Ich bin promovierte Juristin und werde als Datenschutzexpertin wahrgenommen. Bei Axel Springer war ich als Justiziarin für Datenschutz sowie IT-Recht und bei StudiVZ als Datenschutzbeauftragte angestellt, bevor ich mich als Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Datenschutzrecht selbstständig machte. 

Inzwischen fokussiere ich mich auf die wirtschaftliche und geschäftliche Seite. Momentan bin ich überwiegend als Business Development und Key Account Managerin bei Akarion tätig, einem Anbieter u.a einer Compliance Management Software.

Zusätzlich bin ich seit Mitte 2019 auch Business Angel mit meiner Gesellschaft DATAREALITY VENTURES und unterstütze Start-ups neben finanziellen Investments v. a. im datenschutzrechtlichen, juristischen und strategischen Bereich. D.h. ich berate sie, wie sie auf den Markt kommen und dort auftreten sollten. Außerdem bringe ich meine Erfahrung hinsichtlich Business Development und Sales ein, z.B. wie Start-ups ihre Software am besten verkaufen.

Darüber hinaus bin ich noch systemischer Coach, da mich die Thematik sehr interessiert.

Würdest du eine berufliche Entscheidung in deiner Vergangenheit mit deinem Wissen von heute anders treffen?

Jemand hat mal zu mir gesagt: “Du häutest dich alle zwei Jahre.” Ich justiere immer mal wieder nach, wenn ich merke, dass Sachen nicht in die richtige Richtung laufen. Aber grundsätzlich würde ich nicht sagen, dass ich etwas bereue – ich bin jetzt hier, weil ich die ganzen beruflichen Stationen vorher durchlaufen habe. Dabei habe ich gemerkt, in welche Richtung ich gehen möchte: Das selbstständige Arbeiten – sowohl die inhaltliche als auch zeitliche freie Einteilung – ist mir sehr wichtig. Ich kann für mich sagen: 

Die Erfüllung ist dann da, wenn ich das mache, was mich glücklich macht.

Wie würdest du das Thema Datenschutz und seine Wichtigkeit beschreiben?

Datenschutz ist nicht nur das Herunterleiern von rechtlichen Herausforderungen. Es ist eine Einstellung innerhalb eines Unternehmens und die Überlegung, wie gehe ich innerhalb eines Projektes an Datenschutz heran. In vielen Unternehmen wurde ich als Rechtsanwältin immer an einem zu späten Zeitpunkt im Zyklus einbezogen. Mein Beratungsansatz war immer ein anderer, nämlich dass Datenschutz von Anfang an strategisch berücksichtigt werden muss. Datenschutz sollte Teil der Unternehmenskultur sein – wie Gleichberechtigung und Nachhaltigkeit.

Deswegen habe ich mich entschieden, aus dem letzten Teil des Datenschutzzyklus rauszugehen, hin zum vorderen Teil – ich beginne ganz vorne und unterstütze Startups, Datenschutz gleich mitzudenken. Oder eben jetzt in meiner Anstellung zu überlegen: Wie kann Compliance allgemein und ein vertrauensvoller Umgang mit Daten entsprechend berücksichtigt werden.

Ich stehe für einen praktischen und strategischen Datenschutz und halte bspw. im Mai 2021 das Seminar “Tipps & Tricks für erfolgreiche Datenschutzbeauftragte” beim Bundesverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands e.V.

Welche Botschaft möchtest du zum heutigen Tag des Datenschutzes gerne verbreiten?

Datenschutz ist immer ein Gesamtkonzept und eine Strategie, die man insgesamt als Unternehmen von Beginn an berücksichtigen sollte.

Wann und wo hattest du den ersten Berührungspunkt mit Vertragswerk?

Ich habe durch mein Netzwerk 2019 André Engelhorn kennengelernt und er hat mir von Vertragswerk erzählt. Da ich selbst als Justiziarin Verträge am laufenden Band gemacht habe, ist mir die häufig sehr konfuse Kommunikation zwischen Vertragsbeteiligten vertraut. Daher fand ich Andrés Idee und auch ihn von Anfang an spannend. Ich habe gemerkt, dass er weiß, wovon er redet und sehr strukturiert vorgeht. Mir gefiel seine Herangehensweise und Beharrlichkeit, an dem Thema dranzubleiben.

Welche Einsatzfelder siehst du für Vertragswerk, sobald es marktreif ist?

Vertragswerk ist für diejenigen gut, die für ihre Vertragsverhandlungen Struktur suchen, und für die Finalisierung. Das kann der Mittelständler oder aber auch ein großer Konzern sein, der unheimlich viele Verträge hat. Gerade größere Unternehmen wollen bestimmte Vertragsklauseln gar nicht diskutiert wissen. Dafür biete sich Vertragswerk an, damit man sich auf die Klauseln konzentrieren kann, die es noch zu verhandeln gilt. Für alle, die Einzelverträge abschließen, passt Vertragswerk sehr gut.

Ich selbst könnte es als Unternehmerin für meine Investmentverträge nutzen und mit den Beteiligten zusammen an dem Vertrag arbeiten – wo man sehr schön sehen könnte, welche Teile erledigt sind und welche nicht.

Wie viele andere Investments hast du derzeit noch und wer ist das?

Insgesamt habe ich aktuell drei Investments, die anderen beiden sind Evomo und Increase Your Skills.

Welche Empfehlung kannst du uns für die Zukunft mitgeben?

Wichtig ist immer, sich zu überlegen „Was braucht der Markt?” – und zwar zu jedem Zeitpunkt der Produktentwicklung.

Entscheidend ist, am Bedarf der Zielgruppe orientiert zu arbeiten und zu hinterfragen, ob ich mit dem Bedarf auch Einnahmen generieren kann.

Was machst du, sobald wir nach dem Corona-bedingten Lockdown wieder “Normalzustand” haben und alles erlaubt ist?

In ein Café gehen und Kaffee trinken, mich hinsetzen, entspannen und Leute beobachten.

Welche Person in deinem Leben ist dein Vorbild?

Meine Schwester, seit ich ganz klein war. Das hat mich zu einem gewissen Ehrgeiz befeuert.

Ansonsten gab es einige Menschen, die mich sehr altruistisch unterstützt haben, bspw. eine frühere Chefin. Das war auch der Grund, warum ich Business Angel geworden bin – ich möchte ebenfalls andere mit meinen Erfahrungen in ihrem Vorankommen helfen.

Wen würdest du gerne einmal treffen?

Ich würde gerne mal Angela Merkel treffen – sie ist eine faszinierende Person. Mich würde interessieren, wie und mit welcher Motivation sie so viel Druck aushalten kann und wie sie sich als mächtigste Frau der Welt fühlt. Ich habe ja auch häufig mit Männern zu tun, die denken, ich sei die Cateringdame. Wie verhalten sich die Männer in der Politik ihr gegenüber? Immer dieses Kontrollierte, das sehr auf den Punkt Gebrachte, das Zurückhaltende – da muss sie sehr viel Selbstdisziplin haben. Ich frage mich, ob sie bei so einem Gespräch zu zweit auch mal sie selbst sein kann.

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Vielen Dank für das spannende Gespräch, Jana!