Der Unterschied zwischen i.V., i.A., ppa. – womit wird unterschrieben?

29. September 2021Verträge und Gesetze

Was bedeuten i.V., i.A., ppa. – und wie unterschreibe ich richtig?

Je nachdem, wie ich Verträge und andere Dokumente unterschreibe, hat das rechtliche Konsequenzen – ob gewollt oder ungewollt.

Daher ist es wichtig zu unterscheiden, ob ich privat, als Mitarbeiter*in oder im Namen der Firma handle. Schauen wir hinter die Kürzel und die damit verbundenen Rechte und Rollen.

Es ist Donnerstag, kurz nach 17.00 Uhr. Im Büro herrscht Hektik, wie immer eigentlich. Alles sollte bis gestern erledigt sein. Neu ist heute, dass meine Chefin ab morgen im Urlaub ist. Das hat sie zwei Jahre nicht mehr gemacht – nun aber drei Wochen.

Entsprechend chaotisch ist die Übergabe, irgendetwas bleibt immer liegen. Der letzte Akt ist die geschlossene Tür hinter ihr – die schnell nochmal aufgemacht wird, um mir zuzurufen: „Ach Andreas, und wenn die Stahl-Lieferung aus dem Schwarzwald kommt, unterschreibe bitte in meinem Namen.”  Weg ist sie, die Tür bleibt zu. Und auf meinem Schreibtisch liegt noch ein Problem mehr. Wie unterschreibe ich richtig?

Was bedeutet ppa. – per procura bzw. „Prokura“?

Die Prokura wird im Handelsregister eingetragen und gibt der Prokuristin oder dem Prokuristen die Vollmacht über alle rechtsverbindlichen Geschäfte und Vorgänge der Firma.

Der Vorteil dieser Regelung besteht darin, dass alle Geschäfte nahtlos weitergeführt werden können, auch wenn der bzw. die Geschäftsführer*in nicht anwesend ist.

Was bedeutet i.A. – “im Auftrag”?

Wenn ich der Überbringer der Botschaft bin und keinerlei persönliche Verantwortung oder Konsequenzen damit verbunden sind, wird mit i.A. unterschrieben.

Das eignet sich besonders, wenn E-Mails oder Briefe in Abwesenheit der oder des Vorgesetzten mit Informationen für die weitere Arbeit keinen Aufschub dulden. In einem solchen Fall kann auch der Assistent oder die Stellvertreterin mit i.A. unterzeichnen.

Was bedeutet i.V. – “in Vollmacht”?

Die Recherche danach beginnt mit einem Missverständnis. i.V. heißt nicht in Vertretung. i.V. heißt in Vollmacht. Damit habe ich Handlungsvollmacht im Namen der Firma.

Alle Vorgänge, die mit i.V. unterschrieben sind, kommen rechtsverbindlichen Geschäften gleich – dafür bedarf es einer verbindlichen, protokollierten Übergabe:

1. Eine Generalvollmacht, die für alle Geschäfte gilt und die Rolle des Stellvertreters vollumfänglich abbildet.

oder

2. Eine Gattungsvollmacht, die sich nur auf eine bestimmte Art bzw. Gattung der Geschäfte bezieht.

oder

3. Eine Einzelvollmacht, die sich nur auf einen ganz bestimmten Vorgang bezieht und danach erlischt.

Mann in Yoga-Haltung schwebt mit geschlossenen Augen über eine Matte.
Fazit

Im Namen meiner Chefin unterschreibe ich nicht – für die Zukunft benötigen wir dafür eine Einzelvollmacht. Das machen wir beim nächsten Mal und auf keinen Fall zwischen Tür und Angel – und mit Protokoll. Also unterschreibe ich nur mit meinem Namen.